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15/06

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Editorial

Da die sommerliche Jahreszeit sowieso blauen Himmel und Sonnenschein bringt, widmet sich die mittlerweile 15. Ausgabe von diemelange eben den Schattenseiten: Wir machen uns auf die Suche nach Bestien – und finden sie im Naturhistorischen Museum, in den U-Bahnen der Stadt, in Zwentendorf und sogar in Mozarts Opern.

Klar, fällt der Begriff Bestie, denkt ein jeder sofort an Zähne fletschende Ungeheuer oder Monster. Die ganz persönliche Bestie, die ein jeder mitschleppt – oft sein ganzes Leben –, schaut ganz anders aus. So behaupten Menschen, die glauben mich zu kennen, doch steif und fest Flugangst sei meine persönliche Bestie, sprich Phobie. Das sehe ich ganz anders, ohne zu behaupten keine Flugangst zu haben, denn, dass mich nichts und niemand dazu bringt in ein Millionen Tonnen schweres Ding einzusteigen, dass sich dann 10.000 Meter über dem Erdboden in einer Geschwindigkeit von 800 Kilometer in der Stunde fortbewegt, ist ganz klar. Aber dabei handelt es sich ja durchaus um eine konkrete und sachliche Beurteilung der Lage und nicht um irgendeine irrationale Angst. Die ist nämlich eine ganz andere, wenn auch vielleicht ganz banale. Dafür habe ich sie gekonnt, sozusagen in Eigenpsychoanalyse – apropos Freud-Jahr – auf ein Kindheitstrauma zurückgeführt und kann mich nun konkret damit auseinander setzen.

Es handelt sich schlichtweg um den bösen schwarzen Mann – um hier politisch korrekt zu bleiben, damit ist nicht die Hautfarbe gemeint, sondern eben ein undefinierbarer, gesichtsloser Schatten. Wie von mir in eben erwähnter Eigentherapie herausgefunden wurde, rührt diese Angst vor dem großen Unbekannten von der in den 1980ern so beliebten Fernsehserie „Aktenzeichen XY“. Damals gerade mal im Volksschulalter war es mir verboten diese Sendung zu sehen, wobei natürlich Oma und Opa immer eifrig dabei waren und sich Sorgen über die steigende Kriminalität gemacht haben. Pädagogisch natürlich weit fehl geschlagen eine Sendung zu verbieten, weil sie dadurch doppelt so spannend wird. Also habe ich jahrelang Eduard Zimmermann durch den Türspalt gelauscht und die Titelmelodie werde ich mein Leben lang nicht vergessen – es hat sich ausgezahlt. Der besondere Kitzel lag ja gerade daran, dass diese Verbrechen eben wirklich passiert sind, das Einschlafen ist mir ob des hohen Adrenalinpegels dann immer recht schwer gefallen. Seit dem fühle ich mich bis heute ganz allein in der Wohnung nicht so richtig wohl, natürlich nicht untertags, sondern eben sobald es dunkel wird. Dann werden Türen und ab und an auch Kästen unauffällig kontrolliert, nur der Gewissheit wegen, dass diese Angst eh total blöd und irrational ist. Als Eigentherapie ziehe ich nun ganz einfach wieder das Fernsehgerät hinzu und freue mich jeden Freitag auf „Cold Case – Kein Opfer ist je vergessen“ und „Missing – Verzweifelt gesucht“. Ich versichere mich zwar nach wie vor, ob die Eingangstüre auch wirklich abgeschlossen ist, aber meine Kleiderkästen kontrolliere ich immer seltener. Das liegt wahrscheinlich daran, dass in den US-Krimiserien ja auch jeder Fall aufgeklärt wird und die Verbrechen eigentlich gar nicht wirklich passiert sind.

Ich glaube die Therapie hilft. Und all jene, die jetzt heimlich oder sogar offen über meine ganz persönliche Bestie lachen, die möchte ich liebend gerne sorglos im offenen Meer schwimmen sehen, ohne dabei an den weißen Hai zu denken... Viel Spaß auf der Suche nach den Bestien in der neuen diemelange!

td für diemelange

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